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Gefördert von:
Partnerinstitutionen
- Berliner Phonogramm-Archiv
in der Abteilung Musikethnologie des Ethnologischen Museums,
Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz
- Institut für Volkskunde
der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München
- Phonogrammarchiv
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien
- Referat Volksmusik
am Institut für Musikerziehung in deutscher und ladinischer Sprache, Bozen / Italien
Regensburger Volksmusik-Portal
Erschließung von Quellen der Volksmusikforschung, Zugänglichmachung
durch Digitalisierung sowie virtuelle Wiederherstellung zerstreuter Bestände
Der Universitätsbibliothek Regensburg (UBR) wurden im Jahr 2001 die
umfangreichen Kernbestände mehrerer Sammlungen größtenteils einmaliger
Schrift-, Ton- und Bilddokumente zur Volksmusikforschung übergeben.
Teile der ursprünglichen Bestände waren in den vorangegangenen
Jahrzehnten aus unterschiedlichen Gründen über verschiedene
Institutionen und mehrere Länder zerstreut worden.
Seit März 2009 werden die Sammlungen der UBR mit finanzieller Förderung
durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen eines
interdisziplinär und international angelegten Projekts unter
Federführung der UBR geordnet, digitalisiert, erschlossen und über das
„Regensburger Volksmusik-Portal“ mit
den meisten der zugehörigen Teilbestände in anderen Einrichtungen
virtuell wiedervereinigt. Die digitalisierten Sammlungen werden auf
diese Weise umfassend recherchierbar und allgemein zugänglich gemacht.
Im Mittelpunkt des „Regensburger Volksmusik-Portals“ stehen drei große
Sammlungen:
- Die fast vollständig erhaltenen Sammlungen von
Volksliedaufzeichnungen, Bild- und Tonaufnahmen
sowie das Registraturgut
der Abteilung Volksmusik des ehemaligen Staatlichen Instituts für
Deutsche Musikforschung, Berlin;
- Die durch die Gruppe „Volksmusik“ in
der „Deutschen Kulturkommission in Südtirol“ in den Jahren 1940-1942
flächendeckend gemachten Volksliedaufnahmen, ergänzt um weitere in
diesem Zusammenhang gesammelte Materialien und um entsprechende Akten
der Forschungsstätte für indogermanisch-deutsche Musik, Abt. Germanische
Musik, im SS-Ahnenerbe, 1940-1945;
- Der wissenschaftliche Nachlass des
Musikethnologen und Volkstanzforschers Prof. Dr. Felix Hoerburger
(1916-1997), der u. a. eine umfassende Sammlung von Volkstänzen aus
Bayern und umfangreiche Ton- und Bilddokumentationen seiner
Forschungsreisen auf dem Balkan und in asiatischen Ländern (Afghanistan,
Nepal, Taiwan, China) beinhaltet.
Zu diesen drei großen Sammlungen treten
einige kleinere Bestände, von denen wissenschaftliche Korrespondenz des
Musikwissenschaftlers Prof. Dr. Bruno Stäblein (1895-1978) aus den
Jahren 1936-1945 und die Akten des Instituts für Musikforschung an der
ehemaligen Philosophisch-Theologischen Hochschule Regensburg
hervorzuheben sind.
Das Institut für Musikforschung war von Bruno
Stäblein 1945 gegründet und bis zu dessen Eingliederung in die
neugegründete Universität Regensburg 1968 auch geleitet worden. Die
Sammlungen der Abteilung Volksmusik und das Südtirol-Material des
SS-Ahnenerbes barg er persönlich im Januar 1946 in Waischenfeld
(Oberfranken) und baute mit ihnen die Volksmusik-Abteilung des Instituts
auf.
Die im „Regensburger Volksmusik-Portal“ virtuell zusammengeführten
Sammlungen von Volksmusik, Volksliedern und Volkstänzen sind nach
Herkunft, Entstehungszusammenhang, Intention der Sammler und Art der
Medien ausgesprochen heterogen.
Nach räumlichen Gesichtspunkten lassen
sich die Bestände in fünf Gruppen aufteilen. Diese bilden die „tragenden
Säulen“ des Portals:
-
Gesamter deutschsprachiger Raum
einschließlich der ehemaligen deutschen Siedlungsgebiete in Ostmittel-
und Südosteuropa
-
Südtirol (aufgenommen in den Jahren
1940-1942)
-
Bayern (Schwerpunkt: Volkstänze)
-
Europa (Schwerpunkte: Ost- und Südosteuropa, Flandern)
-
Außereuropäischer Raum (Afghanistan, Nepal, Taiwan,
China)
Durch die Erschließung dieser Bestände, die für eine
Reihe von Wissenschaftsdisziplinen von Bedeutung sind, und durch deren
Präsentation im „Regensburger Volksmusik-Portal“ stellt die UBR
einzigartiges Quellenmaterial aus einem Teilbereich der kulturellen
Überlieferung dieser Regionen bereit und schafft somit wichtige
Voraussetzungen und vielfältige Anknüpfungspunkte für künftige
Forschungen.
Zu verschiedenen Sammlungen wurden bereits
Untersuchungen vorgelegt, die aus
unterschiedlichen Blickwinkeln das Quellenmaterial beleuchten.
Viele
Dokumente sind aber auch für eine breitere Öffentlichkeit jenseits von
Wissenschaft und Forschung interessant.
Beispielsweise zeigt der Autor Gerald Groß in
seiner 45minütige Dokumentation
„Volksmusik in Südtirol – eine
Zeitreise“ die grundlegende Bedeutung der Sammlung von Alfred
Quellmalz (und Fritz Bose) für die Pflege der Volksmusik im heutigen
Südtirol auf. Für seinen Film griff er auf Film-, Foto- und Tonmaterial
zurück, das während der Feldforschungen der Arbeitsgruppe „Volksmusik“
1940-1942 entstand und das heute in der Universitätsbibliothek
Regensburg und im Referat Volksmusik am Institut für Musikerziehung in
deutscher und ladinischer Sprache in Bozen verwahrt wird. Einige
Dokumente werden in dem Film zum ersten Mal veröffentlicht und sogar
eine Mitwirkende der damaligen Tonaufnahmen kommt als Zeitzeugin zu
Wort.
Das Bayerische Fernsehen strahlte die Dokumentation am 29. Februar 2012 in seiner Reihe „Unter unserem Himmel“ aus.