Botanisches

Der Helleborus niger ist unter vielen Namen bekannt. Die Bezeichnungen „Christrose“ oder „Weihnachtsrose“ beziehen sich auf die frühe Blüte, die schon zur Weihnachtszeit erfolgen kann. Die „schwarze Nieswurz“ leitet sich zum einem von dem dunklen Rhizom ab, zum anderen von dem beißenden und reizenden Geruch der zerriebenen Wurzeln. Die „Schneerose“ oder „Lenzrose“ wird in Österreich auch als „Schneebleamal“ oder „Märzenkaibl“ bezeichnet. Weitere Namen wie „Krätzenblum“, „Schelmenwurz“, „Brandwurzel“ und „Feuerwurzel“ verweisen auf ihre Verwendung in der Volksmedizin.1

Das natürliche Vorkommen der streng geschützten Pflanze ist in Deutschland auf das Berchtesgadener Land beschränkt. In Österreich ist die kalkliebende Christrose lediglich in Tirol an einigen Stellen im Raum Kufstein/Kaisergebirge verbreitet. Der Kufsteiner Hausberg Pendling wird wegen des seltenen Frühblühers touristisch beworben. Die absonnige Nord-West-Hanglage und der lichte Buchen-Tannenwald bieten optimale ökologische Voraussetzungen für die Bildung größerer Gruppen, die bis zu 25 Jahre alt werden können. Weitere Habitate finden sich im Apennin und nördlichen Balkan in einer Höhe von ca. 1.000 Meter über dem Meeresspiegel.2

Christrose Christrosen

Die immergrüne Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von ca. 15-30 cm. Die Blütezeit kann nach Witterung und Standort vom Spätherbst bis zum Frühjahr reichen. Die sternförmige Blütenhülle (Perigon) der Christrose vermag durch ein leuchtendes Weiß, ein zartes Rosa oder eine rötliche Färbung die ersten Insekten anzulocken. Nach dem Abblühen bleiben die grünen oder rötlichen Blütenhüllblätter dekorativ erhalten. Die frühe Blütezeit, die Farbvarianzen und das frische Grün des Blattwerks ließen die Christrose bereits im 16. Jahrhundert zur beliebten Gartenpflanze werden. Seit dem 19. Jahrhundert werden durch gezielte Kultivierung zahlreiche Züchtungen angeboten.


1 Ludwig Kroeber: Alpenpflanzen in der Volksheilkunde. In: Jahrbuch. Verein zum Schutz der Bergwelt 44,2 (1980). S. 52 ff.; Rudolf Schubert und Günther Wagner: Botanisches Wörterbuch. 9. Aufl. Stuttgart 1988. S. 211; Marzell, Heinrich: Bayerische Volksbotanik. Volkstümliche Anschauungen über Pflanzen im rechtsrheinischen Bayern. München 1968. S. 189 f.; Max Höfler: Volksmedizinische Botanik der Germanen. (= Quellen und Forschungen zur deutschen Volkskunde. Band 5.) Wien 1908. S. 82 ff. Pieper überliefert auch den Namen „Hammerwurz“, der durch die eigentümliche Wuchsform bedingt ist. Vgl. auch Richard Pieper: Volksbotanik. Unsere Pflanzen im Volksgebrauche, in Geschichte und Sage, nebst einer Erklärung ihrer Namen. Gumbinnen 1897. S. 22.

2 Vgl. auch www.floraweb.de; Manfred A. Fischer und Wolfgang Adler: Exkursionsflora von Österreich. Stuttgart 1994; Klaus Werner und Friederich Ebel: Lebensgeschichte der Gattung Helleborus (Ranunculaceae). In: Flora 189 (1994). S. 97-130.



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