Otto Brunfels

Der gebürtige Mainzer Otto Brunfels (1488 -1534) kam auf Umwegen zur Botanik. Er studierte zuerst Theologie und Philosophie und trat in den Kartäuserorden ein. Nach intensiven theologischen Diskursen wechselte er zum Protestantismus über. Als er weiterhin die Ansichten Ulrichs von Hutten und Gleichgesinnter vehement verteidigte, wurde 1550 auf Veranlassung des Kaisers sein Name auf die Hauptketzerliste der Universität Löwen gesetzt. Brunfels wendete sich nach Kontroversen mit Luther und Zwingli einem Medizinstudium in Basel zu, das er mit einer Promotion absolvierte. Ab 1532 war er als Stadtarzt in Bern tätig.

Titelblatt Helleborus niger

Im Kloster hatte Brunfels bereits die Bedeutung von Kräutern und deren medizinische Verwendung kennengelernt. Sein 1530 erstmals herausgegebenes Kräuterbuch Herbarum vivae eicones ad naturae imitationem, summa cum diligentia et artificio effigiatae zeigt die Handschrift eines humanistischen Gelehrten, indem er zuerst in einer lateinischen Ausgabe, dann zwei Jahre später in einer deutschen die Beschreibungen anfertigte. Neben der Auswertung alter Schriften fügte Brunfels eigene Beobachtungen hinzu und stellt sich somit in die Reihe botanischer Experten. Aber nicht nur der Text, sondern auch die Pflanzendarstellungen verraten den aufkeimenden Drang der Renaissance zur Naturforschung. Der Dürer-Schüler Hans Weiditz lieferte die realistischen Aquarellvorlagen, die in Holz geschnitten Eingang in das Brunfelsche Pflanzenbuch finden sollten. Auf dem Speicher des Berner Botanischen Instituts wurden erst im 20. Jahrhundert diese einmaligen Originalzeichnungen wiederentdeckt. Die naturgetreue Abbildung der Heilpflanzen mit all ihren Makeln (vom Raupenfraß bis hin zu welken Blättern) sollte eine bewusste Abkehr der starren und typisierenden Darstellungsweise der Spätgotik markieren.

Literatur:

Otto Brunfels: Herbarum vivae eicones ad naturae imitationem, summa cum diligentia et artificio effigiatae. Una cum effectibus earundem, in gratiam ueteris illius, et iamiam renascentis herbariae medicinae. Quibus adjecta ad calcem, appendix isagogica de usu et administratione simplicium. Item index contentorum singulorum. Straßburg 1530. S. 30 ff.

Karl Eugen Heilmann: Kräuterbücher in Bild und Geschichte. Grünwald/München 1964. S. 29, 152-155.

Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S.39-44.



Universitätsbibliothek Regensburg, 2011