Georg Wolfgang Knorr

Als Motiv für unsere Weihnachtskarte haben wir einen kolorierten Kupferstich des Helleborus niger aus dem 18. Jahrhundert von dem Nürnberger Künstler Georg Wolfgang Knorr (1705-1761) aus dem botanischen Tafelwerk mit dem Titel Thesaurus rei herbariae hortensisque universalis gewählt, das ab dem Jahr 1750 in mehreren Lieferungen erschienen ist. Der Text zu den Pflanzendarstellungen wurde von Philipp Friedrich Gmelin und nach dessen Tod von Bose und Georg Rudolph Boehmer verfasst.

Titelblatt: Georg Wolfgang Knorr Christrose

Über 300 kolorierte Kupferstiche werden in dem Allgemeinen Blumen-, Kräuter-, Frucht- und Gartenbuch, wie der deutsche Titel lautet, ganzseitig präsentiert. Nissen hält Knorrs botanisches Tafelwerk für „ohne Zweifel das lieblichste der deutschen Blumenbücher.“ Der künstlerische Mehrwert überwiege jedoch den botanischen, da die Auswahl der Motive hauptsächlich nach ästhetischen Kriterien aus anderen Pflanzenbüchern und selbständige Ergänzungen ohne stimmige Gesamtkonzeption getroffen worden seien. Es ist anzunehmen, dass die späten Stiche nicht mehr aus der Nadel Knorrs stammen. Wahrscheinlich wurde die Umsetzung der Vorlagen von Nürnberger Stechern vollendet, mit denen Knorr auch zu Lebzeiten zusammengearbeitet hatte. Es wären in diesem Zusammenhang Valentin Bischoff, Johann Christoph Claußner, Jakob Andreas Eisenmann, Andreas Hoffer, Johann Christoph Pemsel, Paul Küffner, Gustav Philipp Trautner und Jakob Tyroff zu nennen.

Neben dem Regnum Florae hatte Knorr weitere botanische Werke wie Schmidels Icones plantarum et analyses partium und das Blumenzeichenbuch für Frauenzimmer nach Zeichnungen von Gabler und Dietzsch in Kupfer gestochen und verlegt. Sein künstlerischer Werdegang war anfänglich nicht der Flora gewidmet. Nach intensivem Studium naturwissenschaftlicher Literatur arbeitete er an Scheuchzers Physica sacra (1731-1735) mit. Die Illustrationen von weiteren naturkundlichen Tafelwerken, für die er auch einen großen Teil der Vorlagen geschaffen haben dürfte, folgten einer freieren künstlerischen Phase, in der Knorr sein vielfältiges Talent auf Portraits und Landschaftsdarstellungen verlegt hatte. Seine Leidenschaft galt ebenfalls der Abbildung von Fossilien, die er selbst sammelte.

Knorr trieb neben seinem Kollegen Christoph Jacob Trew die naturkundliche Buchproduktion in Nürnberg Mitte des 18. Jahrhunderts mit so großem Erfolg voran, dass die Qualität ihrer Druckerzeugnisse noch mehr als 50 Jahre nach dem Tod beider unangefochten war.

Literatur:

Georg Wolfgang Knorr: Thesaurus rei herbariae hortensisque universalis. Exhibens figuras florum, herbarum, arborum, fruticum, aliarumque plantarum prorsus novas, et ad ipsos delineatas depictasque archetypos nativis coloribus. Atque idiomate tam latino quam germanico describens eorundem partes, formam et habitum, nec non usum in officinis pharmaceuticis, vita communi, et medicina, prout singula haec nova docvit applicata observatio et archetyporum exacta contemplation. Nebentitel: Regnum Florae oder das Reich der Blumen mit allen seinen Schönheiten. Nürnberg 1750. Tab. N5 und N6.

Georg A. Pritzel: Thesaurus literaturae botanicae omnium gentium. Milano 1950. S. 166.

Claus Nissen: Die botanische Buchillustration. Ihre Geschichte und Bibliographie. 2. Aufl. Stuttgart 1966. S. 180 f.



Universitätsbibliothek Regensburg, 2011