Es ist ein Ros entsprungen

Christrosen und Engel

Im Zusammenhang mit dem beliebten Weihnachtslied Es ist ein Ros entsprungen wird immer wieder die Legende um den Mönch Laurentius und die Christrose erwähnt. Auch wenn sich diese schöne Geschichte ohne jeglichen Nachweis und bei genauerer theologischer Interpretation des Textes nicht halten lässt, sei sie wegen ihrer Bekanntheit dennoch hier vorgestellt.

In der Weihnacht entdeckte der Trierer Mönch Laurentius bei einer Waldwanderung eine Pflanze im Schnee, die vor ihm weiß erblühte. Diese soll ihn zu dem Weihnachtslied Es ist ein Ros entsprungen inspiriert haben. In einer ähnlichen Version hörte Laurentius aus der Kirche die Prophezeihung des Jesaja 11,1 „Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.“, als er die blühende Christrose erblickte. Er grub sie aus, stellte sie auf den Marienalter und dichtete in Anlehnung an den gehörten Gesang den Text des beliebten Weihnachtslieds.1 Der älteste Nachweis für die Melodie zum Text findet sich im Speyerer Gesangbuch 1599:

  1. Es ist ein Ros entsprungen
    aus einer Wurzel zart,
    wie uns die Alten sungen,
    von Jesse kam die Art
    und hat ein Blümlein bracht
    mitten im kalten Winter,
    wohl zu der halben Nacht.

  2. Das Röslein, das ich meine,
    davon Jesaias sagt,
    Maria ists, die Reine,
    die uns das Blümlein bracht.
    Aus Gottes ewgem Rat
    hat sie ein Kind geboren
    und blieb doch reine Magd.

  3. Das Blümelein, so kleine,
    das duftet uns so süß,
    mit seinem hellen Scheine
    vertreibts die Finsternis:
    Wahr Mensch und wahrer Gott,
    hilft uns aus allem Leide,
    rettet von Sünd und Tod.2

1 Vgl. Werner Milstein: Es ist ein Ros entsprungen. Göttingen 2005. S. 116 ff., Roland Girtler: Streifzüge eines vagabundierenden Kulturwissenschafters. Wien 2007. S. 17 f.

2 Nach Gotteslob Nr. 812.



Universitätsbibliothek Regensburg, 2011