Schnupftabak

Elleborum seu Veratrum album

Da die Nieswurz durch Einführen in die Nase ihre reizende Wirkung prompt offenbarte und so ihrem Namen alle Ehre machte, wurde sie als Bestandteil des Schnupftabaks beigemischt, zum Teil auch aus bereits erwähnten medizinischen Zwecken. Da Goethe durch seine naturwissenschaftliche Beschäftigung mit Helleborus sich der Toxizität der Pflanze wohl bewusst war, verfolgte er den sorglosen Genuss ohne ärztlichen Rat mit großer Skepsis: „Welch ein Gedränge nach diesem Laden! Wie emsig wägt man, empfängt man das Geld, reicht man die Waare dann! Schnupftabak wird hier verkauft. Das heißt, sich selber erkennen! Nieswurz holt sich das Volk, ohne Verordnung und Arzt."1

Dennoch ist die Behauptung unwahr, dass der Schneeberger Schnupftabak aus dem Erzgebirge Helleborus niger als Bestandteil enthielt oder noch enthalte.2 Die über Jahrhunderte hinweg anhaltende verwirrende Nomenklatur der Nieswurzarten hatte zu diesem Irrtum beigetragen.3 Als Ingredienz des Schneeberger Schnupftabaks wurde nach der Aschner Fibel4 die sog. Weiße Nieswurz deklariert, die allerdings nach heutigem Verständnis nichts anderes als der weiße Germer (Veratrum album) ist. Zudem kommt hinzu, dass die schwarze Nieswurz gar nicht im Erzgebirge verbreitet ist.5 Dennoch durften ob des Irrtums die Freunde des Schneeberger Schnupftabaks nicht ganz befreit aufatmen: Auch der damals enthaltene weiße Germer ist toxisch.


1 Rolf Giebelmann, Ludwig von Meyer: Kulturgeschichtliches zu Hahnenfußgewächsen. In: Toxichem+Krimtech 2003 (70,1). S. 59.

2 Max Höfler: Volksmedizinische Botanik der Germanen. (= Quellen und Forschungen zur deutschen Volkskunde. Band 5.) Wien 1908. S. 85 und Deutscher Alpenverein: Pflanzengeschichten. Brauchtum, Sagen und Volksmedizin. München 2001. S. 34.

3 Rudolf Schmidt-Wetter: Taschenbuch der Pharmakognosie. 3. Aufl. Krefeld 1972. S. 93 ff.

4 Ulrich Abele, Erich W. Stiefvater: Aschner-Fibel: Die wirkungsvollsten konstitutionstherapeutischen Methoden nach Aschner. 13. Aufl. Heidelberg 1996. S. 23.

5 Vgl. www.floraweb.de



Universitätsbibliothek Regensburg, 2011